Epilepsie bei Katzen

Hier erfährst du, wie sich die Epilepsie bei der Katze äußert, welche Auslöser für einen Krampfanfall bei Katzen infrage kommen, wie die Diagnose gestellt wird, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und wie sich die Erkrankung auf die Lebenserwartung auswirken kann.

Epileptische Anfälle bei Katzen gehören zu den beunruhigendsten Erlebnissen für Katzenhalter. Plötzlich fällt deine Katze um, verkrampft sich, rudert mit den Beinen, zittert oder verliert kurzzeitig das Bewusstsein. Du sorgst dich sofort, ob deine Katze schwer krank ist oder sogar sterben könnte. Tatsächlich kann hinter einem Krampfanfall eine Epilepsie stecken – allerdings gibt es auch zahlreiche andere Ursachen.

Unterschied zwischen einem epileptischen Anfall und echter Epilepsie bei der Katze 

Viele Katzenhalter setzen einen Krampfanfall (epileptischen Anfall) automatisch mit Epilepsie gleich. Tatsächlich sind das jedoch zwei unterschiedliche Dinge. 

Krampfanfälle bei Katzen: Ein Symptom, keine eigenständige Erkrankung 

Ein Krampfanfall bei Katzen beschreibt lediglich das sichtbare Ereignis. Dabei kommt es aufgrund einer vorübergehenden Fehlfunktion im Gehirn zu unkontrollierten Muskelbewegungen, Bewusstseinsstörungen oder auffälligem Verhalten. Ein einzelner Krampfanfall deiner Katze bedeutet noch nicht, dass deine Katze an Epilepsie leidet.

Wann hat eine Katze Epilepsie? 

Wenn deine Katze wiederholt epileptische Anfälle entwickelt, wird das als Epilepsie bezeichnet. Dabei liegt eine dauerhafte Neigung des Gehirns vor, unkontrollierte elektrische Entladungen zu erzeugen. In der Veterinärmedizin wird Epilepsie in der Regel so definiert: Es muss mindestens zwei Anfälle gegeben haben, die nicht durch eine greifbare Ursache im Gehirn ausgelöst wurden und mit zeitlichem Abstand stattgefunden haben, also nicht unmittelbar hintereinander.
Kurz gesagt: Jede epileptische Katze hat Krampfanfälle, aber nicht jede Katze mit einem Krampfanfall hat Epilepsie. Ein einmaliger Anfall kann durch zahlreiche vorübergehende Erkrankungen ausgelöst werden. Erst wiederkehrende, nicht durch eine andere Grunderkrankung wie Stoffwechselstörungen, Vergiftungen etc. provozierte Anfälle sprechen für eine Epilepsie.

Vergleich zwischen Krampfanfall und Epilepsie auf einen Blick

Krampfanfall
Epilepsie
Einzelnes EreignisChronische neurologische Erkrankung
Kann einmalig auftreten
Führt zu wiederkehrenden Anfällen
Oft Folge einer anderen Erkrankung
Gehirn besitzt dauerhafte Anfallsneigung
Ursache kann behandelbar sein
Häufig langfristige Therapie notwendig
Muss nicht erneut auftreten
Anfälle treten meist wiederholt auf

Warum die Unterscheidung zwischen einem Krampfanfall und Epilepsie bei Katzen wichtig ist 

Hat die Katze epileptische Anfälle, ist für die Behandlung die Ursache entscheidend und, ob lediglich ein einzelner Anfall vorliegt oder eine echte Epilepsie. Katzen mit Epilepsie benötigen häufig eine langfristige Therapie mit Antiepileptika. Um die Ursache festzustellen und die bestmögliche Behandlung zu finden, sollte deine Katze nach einem ersten Krampfanfall tierärztlich untersucht werden – selbst dann, wenn sie sich danach wieder völlig normal verhält. Das ist für die Prognose entscheidend. 

Es gibt viele mögliche Ursachen für einen Krampfanfall bei der Katze 

Ein epileptischer Anfall bei der Katze kann durch unterschiedliche Faktoren ausgelöst werden. Die Ursachen für einen Krampfanfall bei Katzen können im Gehirn selbst liegen oder außerhalb des Nervensystems entstehen. Ein epileptischer Anfall der Katze kann dabei folgende Auslöser haben: 

  1. Idiopathische Epilepsie: Bei der „idiopathischen“ Epilepsie kann trotz umfangreicher Diagnostik keine konkrete Ursache gefunden werden. Das Gehirn zeigt keine nachweisbaren Veränderungen, dennoch kommt es zu wiederkehrenden Anfällen. Diese Form ist eine chronische Erkrankung und kommt bei Katzen seltener vor als bei Hunden. 
  2. Hirntumore:  Vor allem bei älteren Katzen können Tumore im Gehirn epileptische Anfälle auslösen. Neben Krampfanfällen treten häufig weitere neurologische Auffälligkeiten auf, beispielsweise Verhaltensänderungen, Orientierungslosigkeit oder Gangstörungen. 
  3. Entzündungen des Gehirns:  Infektionen oder entzündliche Erkrankungen des Gehirns und der Hirnhäute können die normale Nervenfunktion stören und Anfälle verursachen. Dazu gehören unter anderem virale, bakterielle oder immun vermittelte Erkrankungen. 
  4. Kopfverletzungen und Traumata: Nach Stürzen, Verkehrsunfällen oder anderen schweren Verletzungen können Schäden im Gehirn entstehen, die Monate oder sogar Jahre später zu epileptischen Anfällen bei Katzen führen können.
  5. Stoffwechselstörungen:  Verschiedene Erkrankungen außerhalb des Gehirns können zum Krampfanfall der Katze führen, darunter: Unterzuckerung (Hypoglykämie), schwere Lebererkrankungen, Nierenversagen, Elektrolytstörungen (z. B. Kalzium- oder Natriummangel), Bluthochdruck mit neurologischen Folgen.

Weitere Ursachen für einen Krampfanfall bei der Katze können sein

Schlaganfall oder Gefäßveränderungen:  Durchblutungsstörungen des Gehirns können zu neurologischen Symptomen und Krampfanfällen führen. Besonders ältere Katzen oder Tiere mit Herz- und Gefäßerkrankungen sind gefährdet. 

Reflexanfälle durch Geräusche: Eine spezielle Form ist das Feline Audiogenic Reflex Seizure Syndrome (FARS). Hier werden Anfälle durch bestimmte hochfrequente Geräusche ausgelöst, beispielsweise das Rascheln von Alufolie, Klingeltöne oder andere hohe Töne. Betroffen sind meist ältere Katzen. 

Angeborene Fehlbildungen: Selten sind angeborene Veränderungen des Gehirns oder genetische Defekte für wiederkehrende Krampfanfälle bei Katzen verantwortlich. Diese treten häufig bereits in jüngeren Jahren auf. 

Tierärzte unterscheiden aufgrund dieser Ursachen grundsätzlich zwischen: 

  1. Idiopathischer Epilepsie: Es kann keine konkrete Ursache im Gehirn festgestellt werden. 
  2. Symptomatischer Epilepsie: Der Anfall wird durch eine Erkrankung des Gehirns bzw. Veränderung der Gehirnstruktur ausgelöst, beispielsweise einen Tumor oder eine Entzündung. 
  3. Reaktiven epileptischen Anfällen: Diese entstehen durch Stoffwechselstörungen, Vergiftungen oder andere Erkrankungen außerhalb des Gehirns.

Epilepsie bei Katzen - Symptome 

Zu den Symptomen der Epilepsie bei Katzen: nicht jeder epileptische Anfall sieht gleich aus. Viele Menschen denken sofort an heftige Krämpfe mit Zuckungen am ganzen Körper. Tatsächlich zeigen Katzen häufig auch deutlich unauffälligere Symptome.

Eine schwarze Katze mit Epilepsie speichelt

Typische Symptome eines „generalisierten“ Krampfanfalls, der sich auf das gesamte Gehirn ausbreitet, sind: 

  • plötzliches Umfallen 
  • Bewusstseinsverlust 
  • Muskelzuckungen oder starkes Zittern 
  • rudernde Bewegungen der Beine 
  • Speicheln oder Schaumbildung vor dem Maul 
  • unkontrollierter Harn- oder Kotabsatz 
  • Verkrampfung des Körpers

Daneben kommen sogenannte „fokale“, also herdförmige Anfälle vor. Dabei ist nur ein Teil des Gehirns betroffen. Die Symptome dieser Art von Krampfanfällen erscheinen milder. Deine Katze kann dann beispielsweise ins Leere starren, plötzlich aggressiv wirken, mit den Augenlidern oder Gesichtsmuskeln zucken, ungewöhnliche Kaubewegungen zeigen, laut miauen oder schreien, stark speicheln.
Nach dem Krampfanfall der Katze folgt häufig eine Erholungsphase. Deine Katze kann dann desorientiert, unsicher auf den Beinen, ungewöhnlich hungrig oder vorübergehend blind erscheinen. Diese Phase kann wenige Minuten bis mehrere Stunden dauern.

Wenn die Katze einen epileptischen Anfall im Schlaf hat 

Tatsächlich treten viele Anfälle bei Katzen während der Ruhephase oder im Schlaf auf. Einige Tiere wirken zunächst, als würden sie lediglich träumen. Bei einem echten epileptischen Anfall sind die Bewegungen jedoch meist intensiver und die Katze lässt sich nicht normal aufwecken. Besonders schwierig ist die Unterscheidung zwischen normalen Muskelzuckungen im Schlaf und einem leichten fokalen Anfall. Wenn du unsicher bist, ob deine Katze einen Krampfanfall hat oder nicht, kann ein Handyvideo äußerst hilfreich für die tierärztliche Beurteilung sein. 

Diagnose: Wie stellt der Tierarzt bei einer Katze Epilepsie fest? 

Die Diagnose beginnt mit einer ausführlichen Befragung des Katzenhalters. Besonders wichtig sind Informationen über:

  • Dauer des Anfalls 
  • Häufigkeit 
  • Verhalten vor und nach dem Anfall 
  • mögliche beobachtete Auslöser 
  • Alter der Katze beim ersten Auftreten


Ein Video des Anfalls ist oft von unschätzbarem Wert, da die Symptome während des Tierarztbesuchs meist nicht mehr sichtbar sind.
Anschließend können folgende Untersuchungen durchgeführt werden: 

  • Allgemeine klinische Untersuchung 
  • Spezielle neurologische Untersuchung 
  • Blutuntersuchungen 
  • Urinanalysen 
  • Blutdruckmessung 
  • MRT oder CT des Kopfes 
  • Ggf. Untersuchung der Gehirn- und Rückenmarkflüssigkeit 

Erst wenn andere Ursachen ausgeschlossen wurden, wird die Diagnose einer idiopathischen Epilepsie gestellt.

Epilepsie bei Katzen behandeln – Epilepsie Katze Behandlung 

Die Therapie richtet sich in erster Linie nach der Ursache. Liegt eine Grunderkrankung wie beispielsweise eine Vergiftung, Stoffwechselstörung etc. vor, muss diese zunächst behandelt werden. Können solche Ursachen ausgeschlossen werden, handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine idiopathische Epilepsie. Einzelne, seltene Anfälle können zunächst beobachtet werden. Tritt jedoch eine höhere Anfallshäufigkeit auf, wird meist eine dauerhafte Behandlung empfohlen. Hat deine Katze Epilepsie, werden Medikamente in der Regel notwendig. Zu den häufig eingesetzten Antiepileptika gehören: Phenobarbital, Levetiracetam und Zonisamid. Das Ziel ist nicht zwingend die vollständige Anfallsfreiheit, sondern eine deutliche Verringerung der Häufigkeit und Schwere der Anfälle. Viele Katzen sprechen gut auf die Therapie an und können ein weitgehend normales Leben führen.

Was ist zu tun, wenn die Katze einen epileptischen Anfall hat? 

Falls deine Katze einen Krampfanfall hat, sind folgende Maßnahmen empfehlenswert: 

  • Bewahre Ruhe
  • Entferne gefährliche Gegenstände aus der Umgebung
  • Fasse möglichst nicht direkt ins Maul und versuche nicht, die Zunge festzuhalten. Katzen können die Zunge nicht verschlucken.
  • Stoppe die Zeit
  • Nimm nach Möglichkeit ein Video auf.

Eine Frau filmt eine Katze mit Epilepsie

Ein echter Notfall, bei dem du umgehend eine Tierklinik aufsuchen solltest, liegt vor, wenn:

  • der Anfall länger als fünf Minuten dauert (Status epilepticus) 
  • mehrere Krampfanfälle kurz hintereinander auftreten 
  • die Katze zwischen den Krampfanfällen nicht mehr zu Bewusstsein kommt 

Kann Epilepsie bei Katzen wieder verschwinden? 

Das kommt auf die Ursache an. Reaktive Anfälle, die beispielsweise durch eine Vergiftung oder Stoffwechselstörung ausgelöst wurden, können vollständig verschwinden, sobald die Grunderkrankung erfolgreich behandelt wird. Bei einer echten idiopathischen Epilepsie, die etwa zu einem Drittel der Fälle vorliegt, ist eine vollständige Heilung eher selten. Viele Katzen bleiben langfristig auf Medikamente angewiesen. Dennoch gelingt es häufig, die Erkrankung so gut zu kontrollieren, dass nur noch wenige oder gar keine Anfälle mehr auftreten. 

Epilepsie bei Katzen - Lebenserwartung: wie lange leben Katzen mit Epilepsie? 

Die Lebenserwartung einer Katze mit Epilepsie hängt sehr von der Ursache für die Krampfanfälle ab. Hat deine Katze eine idiopathische Epilepsie und spricht gut auf die Medikamente an, kann sie damit alt werden. Entscheidend sind eine frühe Diagnose, regelmäßige Kontrollen und eine konsequente Medikamentengabe. Bei gut behandelbaren anderen Ursachen wie zum Beispiel Stoffwechselstörungen können die Krampfanfälle sogar aufhören, wenn die Grunderkrankung ausgeheilt ist. Bei anderen ernsten Ursachen wie einem Gehirntumor ist die Prognose leider schlecht.

Fazit 

Die Epilepsie bei Katzen ist eine ernstzunehmende, aber oft gut behandelbare neurologische Erkrankung mit wiederkehrenden Krampfanfällen. Typische Symptome reichen von deutlichen Krampfanfällen bis zu kaum wahrnehmbaren Verhaltensveränderungen. Die Ursachen für Krampfanfälle sind vielfältig und reichen von Stoffwechselstörungen über Vergiftungen bis hin zu Hirnerkrankungen. Dank moderner Diagnostik und wirksamer Medikamente haben viele betroffene Katzen heute eine gute Lebensqualität und eine günstige Prognose. Voraussetzung ist, dass der epileptischen Katze Medikamente regelmäßig und pünktlich verabreicht werden können. Wenn deine Katze einen Krampfanfall zeigt, solltest du zeitnah eine tierärztliche Untersuchung veranlassen, damit die Ursache gefunden und eine passende Therapie eingeleitet werden kann.

 Quellen

Lutz,H.; Kohn, B.; Forterre, F.: Krankheiten der Katze, Thieme, 6. Auflage 2019
Truar, K.: Epilepsie bei der Katze, Enke Verlag, Kleintier Konkret, 2016; 1: 21 – 28

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